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Interview: WDR-Sportchef und EM-Kommentator Steffen Simon
Geschrieben von: Marco Di Lenarda   
Freitag, 06. Juni 2008 um 00:00

„Spanien kann auf Raul und Krkic verzichten und wird Europameister“, sagt WDR-Sportchef Steffen Simon.


DL: Hallo Herr Simon, wie lange bleiben Sie diesen Sommer in den Alpenrepubliken?

Steffen Simon: „Drei Wochen werde ich dort sein! Bis zu einem der beiden Halbfinals. Davon werde ich eines kommentieren. Dann geht´s schnell nach Hause.“

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DL: Noch vor dem Finale?

Steffen Simon: „Ja. Meine Tochter hat an diesem Tag Geburtstag, und da möchte ich so schnell wie möglich nach Hause. Das Finale schau ich mir dann mit Familie und Freunden an.“

 

DL: Wie gefiel Ihnen persönlich das Spiel gegen Serbien? Es gab sowohl lobende, als auch sehr kritische Worte.

Steffen Simon: „Für mich war das Spiel ein überaus positives Signal. Nach – ich glaube – vier Jahren war es das erste Mal, dass eine deutsche Nationalelf ein Spiel nach Rückstand noch drehen konnte. Und sieht man die vielen Chancen, den nicht gegebenen Elfmeter … Ein sehr positives Signal, das uns alle optimistisch sein lässt.“

 

DL: Als WDR-Sportchef sind Sie sicher nah an der Mannschaft – Wie erhalten Sie ihre Informationen zur Elf? Gibt es da Reporterteams, die vorarbeiten, oder telefoniert man schon mal mit Jogi Löw, um zu erfahren, was Schweinis Frisur macht?

Steffen Simon: „Also wir haben Leute, die Vorarbeit leisten. Ansonsten ist es so, dass man vor einem solchen Vorbereitungsspiel mittags noch einmal telefoniert. Entweder mit Hansi Flick oder mit Jogi Löw. Da kann man dann Sachverhalte klären, aktuelle Fragen, und wir bekommen die Startelf mitgeteilt. Vor der EM wurden jetzt außerplanmäßig vier Mitarbeiter von ARD und ZDF – Bartels, Steinbrecher, Frau Lierhaus und ich – vom DFB nach Mallorca (Begleitend zum dortigen Trainingslager der Deutschen Nationalelf; Anm. d. Verf.) geladen. Hansi Flick und Jogi Löw ließen uns an der Spielidee der Mannschaft teilhaben. Erklärten uns ihre Philosophie und warum sie welche Entscheidungen trafen. Das war schon beeindruckend.“

 

DL: Ist es schwierig, an Material der anderen Teams heranzukommen – oder helfen sich die internationalen TV-Stationen?

Steffen Simon: „Hm. Beim Spiel gegen Serbien habe ich einen alten Kollegen angerufen, der uns mit Bildern ausgeholfen hat. Aber das war Zufall. Normalerweise haben wir hier im WDR unser eigenes, gut ausgestattetes Sportarchiv, das uns mit Bildern versorgt.“

 

DL: Herr Simon, jetzt unabhängig von ihrer Rolle als Sportjournalist. Sind sie schon im EM-Fieber? Haben sie sich auch ein Ballack-Trikot zugelegt – oder eins von Arne Friedrich?

Steffen Simon: „Meine Trikots hab ich alle an einen Kollegen verschenkt. Aber es fängt schon an zu kribbeln, klar! Die EM ist das größte! Bei einer Weltmeisterschaft hat man oft viel Leerlauf; oder man muss sich in die Fußballszene ganz verschiedener Mannschaften einarbeiten. Die EURO ist das größte für Jeden von uns!“

 

DL: Können Sie sich an irgendein besonderes Spiel einer EM erinnern, ganz spontan? Fällt Ihnen eines ein, das sie besonders gefesselt hat?

Steffen Simon: (zögert keine Sekunde) „Ganz klar. Natürlich. Ja, das war die Euro `96. Halbfinale in Wembley. (England – Deutschland; Anm. d. Verf.) Das war der Wahnsinn. Rainer Calmund hatte mir `ne Karte geschenkt. Die Tommys haben schon mehr als eine Stunde vor dem Spiel angefangen zu singen. Und sie haben nicht aufgehört. Gott-sei-Dank gab`s damals noch keine Stadionmusik. Das war unglaublich. Da krieg ich heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie lange und laut die gesungen haben. Erst als Andy Möller getroffen hatte, waren sie ruhig. Aber auch nur für fünf Minuten! Dann ging`s weiter!“

 

DL: Letzte Frage: Waren Sie schon mal auf unserer Internetseite www.fussball-bewegt.de? Haben sie einen Europameister-Tipp oder eine -Vorhersage, über den/die unsere Leser diskutieren können?

Steffen Simon: „Ja, hab ich mir angesehen. Sieht gut aus. Mein Kompliment. Und Europameister wird Spanien.“

 

DL: Ohne Raul? Ohne Krkic?

Steffen Simon: „Die brauchen sie nicht. Die haben Torres!“

 

DL: Herr Simon, Vielen Dank für das Gespräch.

 
Fußball bewegt - Reisetagebuch zur Fußballeuropameisterschaft 2008