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Zu Gast bei Fußball-Weltmeistern: Dennis und Daniel Schellhase aus Gelsenkirchen
Mittwoch, 11. Juni 2008 um 16:23

Spanien - Russland 4:1

Der Tag, an dem ich nach Gelsenkirchen kommen sollte, begann wie er auch endete. Mit einem Geduldspiel. Zuerst kam ich nicht in die Stadt, dann nicht mehr weg. Aber ich hielt den Ball flach, mich an Traveller-Regeln und so den Tag aus.

Schalke-Zettel

Los ging es kurz vor 8Uhr in Duisburg. Nach einem netten Frühstück mit Johanna machte Sie sich auf in die Schule, ich mich in Richtung nächstbeste Straßenkreuzung. Mein Plan sah so aus: Daumen raus, Schild hoch, nach Gelsenkirchen trampen und so die 10 Euro Bahnfahrt für die lächerlich kleine Strecke sparen.

Soweit zur Theorie.

Was folgte, war nervenaufreibendes Stehen und Hoffen. Erlöst wurde ich kurz vor 12 von Susi, 41, Piercerin aus Duisburg auf dem Weg zur Arbeit nach Gelsenkirchen. Davor wurde ich ange- und belächelt, ignoriert, bemitleidet und mit guten Ratschlägen bedacht („Ey Alta, da vorne is der Bahnhof, Alta!"). Das Größte dabei war: Ein junger Mann im tiefer gelegten und mit allerhand Schnickschnack ausgestatteten BMW fuhr an mich heran, kuppelte als er auf meiner Höhe war aus und ließ seinen Motor zweimal kurz aufheulen. Wenigstens einer, der auf ihn hört, dachte ich.

Ich hatte es also nach Gelsenkirchen geschafft. Aber wie kam ich jetzt zu den „Schellhases"? Ich fragte zwei Sanitäter eines „privaten Unternehmens" - auf diese Differenzierung legt man in der Helfer-Szene anscheinend großen Wert - nach dem Weg. Nach kurzem Überlegen wurde ihnen der Erklärungsweg zu müßig. So kam ich in den Genuss einer Krankenwagenfahrt und vieler weiterer guter Tipps zu Gelsenkirchen, Schalke und Umgebung. Die Fahrt endete am von mir angepeilten Ort. Dankeschön!

Die SchellhasesBei Dennis und Daniel Schellhase angekommen fiel es mir zuerst schwer in die Materie der beiden einzutauchen. Die Zwillinge wechseln sich beim Weltmeister-Werden im „e-Soccer" ab; zu deutsch: sie sind die besten beim Fußball-Spielen auf dem PC. „Der PC ist gegenüber den Konsolen die Königsklasse beim Zocken", klären mich die beiden auf.

Beim letzten Weltmeister-Turnier in Seattle, U.S.A., konnte sich Daniel durchsetzen. Dennis schreibt diesen Erfolg der „defensiveren Spielweise" seines Bruders zu. „Deswegen kommt er mit den geraden Jahrgängen der FIFA-Soccer-Serie (Das von Ihnen gespielte Computerspiel wird in jedem November neu aufgelegt; Anm. d. Verf.) besser zu Recht. Die sind nämlich eher was für Defensivkünstler. Die Jahrgänge `05 und `07 waren dagegen offensiv ausgelegt! Da konnte ich meine Stärke ausspielen. "

Wie stark die beiden die Szene dominieren, wird deutlich, wenn sie davon sprechen, in den letzten vier, fünf Jahren 95 Prozent der Turniere, an denen sie teilgenommen haben, mit dem Sieg eines der beiden „Schellhases" beendet zu haben.

Wie ernst die Sache ist, kann man an der Höhe der Preisgelder ablesen, von denen sogar gut leben kann. 20.000 Dollar sind schließlich nicht zu verachten. Ich unterhalte mich lange mit den beiden Mittzwanzigern, die an der Uni Duisburg-Essen gemeinsam Wirtschaftinformatik studieren und sehr offen und aufgeschlossen drauflos plaudern.

Sie wollen mir ihre „Sportart" näher bringen. So sprechen sie von zurückhaltenden und offensiven Spielstilen, für die man sich schon mit der Teamwahl automatisch mitentscheidet, von alljährlichen Weltmeisterschaften, von einer „Bundesliga" sowie von zahlreichen Konkurrenzveranstaltungen. Die nächste WM findet im Herbst in Köln statt. Beide rechnen sich gute Chancen aus. Bis zu 10.000 Zuschauer werden dort erwartet.

An diesem Abend ist klar, dass die beiden für uns das bevorstehende Match Spanien gegen RusslandDaniel Schellhase am PC im Vorhinein ausspielen sollen. Daniel, der defensiver Agierende, wählt das offensive Spanien, Dennis die eher zurückhaltend agierenden Russen. Das Spiel endet 3:1 für Spanien. Beide lachen: „Genau das haben wir auch für das Spiel heute Abend getippt."

Wir fahren in einem recht neu wirkenden 3er BMW in die Stadt. „Den haben wir uns von unserem ersten Preisgeld gekauft", erzählen die beiden. In einer Kneipe in der Gelsenkirchener Innenstadt sehen wir die Partie des frühen Dienstag Abends. Immer wieder loben die beiden die Fähigkeiten von Fernando „El Nino" Torres. Sowohl auf dem grünen Rasen, wie auch in der virtuellen Welt sei er ein „Weltklassestürmer". Torres, Villa und die Seleccion lassen ihre russischen Gegner bisweilen wie Trainingspartner wirken.

Nach dem Spiel bringen mich die beiden zum Bahnhof. Ich verabschiede mich und wünsche Ihnen für die anstehenden Aufgaben viel Glück, um anschließend ganz und gar nicht virtuell um einen Schlafplatz zu kämpfen. (siehe Bericht "Chaos am Gelsenkirchener Hauptbahnhof, Happy End in Bochum-Wattenscheid", ebenfalls von Dienstag, dem 10. Juni)

Ein ausführliches Interview mit Daniel und Dennis Schellhase lesen Sie in Kürze hier in der Rubrik "Interviews".

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