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Wien, der Freitag vor dem Finale
Sonntag, 29. Juni 2008 um 13:47

Wien, spielfrei

Nach einem anstrengenden ersten Tag in Österreichs Hauptstadt, erlebe ich Wien am 2. Tag von seiner schönen Seite. Ich versöhne mich der Stadt und treffe am Abend einen alten Freund aus Rio de Janeiro wieder.

Stephansdom in Wien Mit der Bahn fahre ich in die Stadt. Ich habe ein 72-Stunden-Ticket, kann in dieser Zeit sooft Bus und Bahn fahren, wie mir beliebt. Ich lasse mich treiben, komme irgendwie über Umwege zum Donaukanal. Bis dahin hat sich mein Bild des Vortages bestätigt: Wien ist unfertig. Oft wird gebaut, vieles ist gut gemeint, aber passt doch nicht zusammen.LED funzt net

Obwohl es auf ein Wochenende im Sommer zugeht, sind viele Cafés und Uferbars am Donaukanal nicht geöffnet. Oder man baut noch immer am Interieur, und das mitten in der Saison. Das verwundert, gerade wo diesen Sommer die EURO in der Stadt ist. Auf einem Hochhaus thront eine Leuchtreklame. Das die Anzeigen nicht zu lesen sind, da Teile des riesigen Bildschirms nicht funktionieren, hat Symbolcharakter.

Ich fahre ins Stadtzentrum, laufe durch die Gassen und auf einmal stehe ich vor dem Stephansdom. Leider ist er wegen Bauarbeiten nicht in voller Pracht zu bewundern. Doch hier gefällt Wien: Enge Gassen mit kleinen Geschäften und Bars und Cafés auf der einen, die große Einkaufsmeile „Kärntner Strasse" auf der anderen Seite.

Straßenkünstler haben sich hier, wo man Gesichter aller Nationen dieser Erde sieht, auf die EM eingeschossen und zeigen Schiuld suche KartenKunststücke mit Ball. In der Fußgängerzone mache ich einen Versuch: 10 Minuten laufe ich auf und ab, zähle Menschen mit spanischen bzw. deutschen Fahnen oder Trikots am Körper. Spanien gewinnt 5:1. EM allgegenwärtigSogar zwei russische Fans schlagen die deutschen!

Die Stadt ist geprägt von der EURO, die allgegenwärtig ist. Doch die große Euphorie ist - wohl auch wegen des frühen Ausscheidens der Österreicher selbst - ausgeblieben.

Schließlich treffe ich auf der Kärntner Straße zwei Männer. Sie halten Schilder in den Händen, auf denen ihr Wunsch nach Tickets in Worten Ausdruck findet. Ich spreche sie an, darf ein Photo machen und frage ob des fließenden Englischs der beiden nach ihrem Heimatland. Als sie meinen Verdacht bestätigen und meinen, dass sie aus England kämen, kann ich mich nicht zurück halten und wundere mich: „Why do YOU wanna see that game?" - Sie schauen mich sehr böse an, als der eine todernst und sehr glaubhaft sagt: „Cause we love football!" Damit ist mein Gedankengang als Irrweg entlarvt und ich will mich auf diesem Weg bei den Beiden entschuldigen.

Vorm EH-StadionIch ziehe weiter, fahre mit der Bahn noch mal zum Stadion. Will noch einmal die Stätte sehen, wo am Sonntag alles entschieden wird. Es ist sonnig und das Stadion liegt ruhig da. Auch hier versuchen einige Ticketkäufer ihr Glück. Ich umlaufe das weiteAn der schönen ... Rund. Auf einmal kommt mir eine große Gruppe hintereinander gehender Menschen in hellblauen T-Shirts entgegen. Die Farbe Hellblau kennzeichnet in diesen Tagen einen freiwilligen EM-Helfer. In diesem Fall spielen die Ehrenamtlichen die „Closing Ceremony" nach. Ich hoffe, dass die kleine Dame, die den „Captain of Winning Team" mimt, am Sonntag von Michael Ballack ersetzt wird.

Direkt hinter dem Ernst-Happel-Stadion fließt die Donau. Hier entkomme ich dem Trubel der Stadt und mache ein kleines Ein-Mann-Picknick. Die Sonne scheint und die Skyline der Stadt lässt von weitem den Lärm und die Betriebsamkeit erahnen, die dort herrschen. Hier aber ist es ruhig. Noch genau 2 Tage 2 Stunden und 35 Minuten. Dann beginnt nebenan das Spiel, dem ganz Deutschland und ganz Spanien entgegen fiebern.

Für mich geht es an diesem Abend ins „Chelsea", einem Club unter einer Stadtbahntrasse. Dort treffe ich Ralph, einen alten Freund aus Rio, und seine Clique. Die Völkerverständigung beginnt.

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