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Neustift im Stubaital, Quartier der spanischen Nationalmannschaft
Donnerstag, 26. Juni 2008 um 16:45

Zweiter spielfreier Tag der EURO 2008

Das Stubaital erstrahlt dieser Tage in den Farben rot-gelb-rot. Die spanische Nationalmannschaft hat sich mit ihrem Trainer Luis Aragones in Neustift im Hotel „Milderer Hof" einquartiert. Ihre südländische Lässigkeit haben sie mitgebracht. Anders als der DFB in Ascona und Tenero ist zum Beispiel das Training für jedermann zu sehen.

Spanischer Bus vor HotelVon Innsbruck aus bin ich in knapp 25 Minuten in Neustift und habe bald das Hotel gefunden. Von den Erlebnissen in Ascona und Tenero geprägt nähere ich mich langsam dem Mannschaftshotel und erwarte jeden Moment von einem Sicherheitsbeamten weggeschickt zu werden.

Auf einmal kommt mir ein Tross Journalisten entgegen. In der Mitte schlendert entspannt der spanische Trainer, Senor Luis Aragones. Er gibt einem weiblichen Fan ein Autogramm und ist wieder im Hotel verschwunden. So einfach geht das hier.

Es ist 17 Uhr. Ungefähr zehn Fans warten vor dem Hotel darauf, dass sich die Spieler zeigen. Für 18 Uhr ist ein öffentliches Training angesetzt. Nach und nach kommen immer mehr Sicherheitsbeamte und Polizisten auf den Hotelhof, warten wie wir auf die Spieler und stören sich nicht daran, dass die Fans auf eine Mauer klettern, um über den Hotelzaun bessere Sicht auf den Hotelausgang zu haben.Abschiedsphoto

Die Spieler erscheinen und stellen sich zum Photo auf. Ein Lieferwagen versperrt dabei die Sicht für uns Fans. Ich erfahre von spanischen Journalisten, dass die Mannschaft - sollte sie sich für das Finale qualifizieren - nicht ins Stubaital zurückkehrt, sondern gleich in Wien bleibt. Es sind also Abschiedsphotos, die die Mannschaft mit den Hotelangestellten zusammen zeigen.

Dann geht es zum Trainingsplatz. Ungefähr 5000 Menschen haben auf der Tribüne Platz gefunden. Die Öffentlichkeitsarbeit funktioniert gut. Lediglich ein Rasensprenger verärgert die Zuschauer. Falsch eingestellt durchnässt er die halbe Tribüne. Die meisten nehmen es mitRasensprenger Humor.

Dann läuft die Mannschaft ein. Jeder Spieler wird von spanischen Fans beim Einlaufen gefeiert. Fast alle winken freundlich zurück. Es ist beeindruckend, diese Jungs Fußball spielen zu sehen.

Fernando Torres lässt seine Schnelligkeit und Kaltschnäuzigkeit aufblitzen. Cesc Fabregas, der das Abschlussspiel in der B-Elf Luis Aragones bei der Arbeitabsolviert, tritt direkt vor meinen Augen die eine oder andere Ecke. Wie alle anderen halte auch ich mit der Kamera auf Mittelfeldstar. Es muss sehr ungewöhnlich sein, aus weniger als einem Meter Entfernung von etwa zwanzig wildfremden Menschen beim Treten eines Balles fotografiert zu werden.

Das größte Erlebnis ist an diesem Abend der Auftritt des Trainers. Luis Aragones kommt etwa eine Viertelstunde vor der Mannschaft und lässt das Training von einem Adjudanten durchführen. Immer etwas abseits stehend, greift nur beim Spiel lautstark ein. Er wirkt wie ein etwas eigensinniger sehr intelligenter Opa, der sich seiner Sache sehr sicher ist. Und irgendwie auch sehr sympathisch: Als er vor dem Training verschiedene Hütchen als Markierungshilfen auf dem Platz verteilt, steckt er soviel Energie und Akribie in dieses Tun, dass ich mich frage, welche Kniffe der Trainingslehre er dabei wohl ausheckt. Nach jedem Hütchen bleibt er stehen, schaut, geht weiter, überlegt, legt das nächste Hütchen, etc.

Wie sich später herausstellen sollte, dienen die Hütchen lediglich der Spielfeldbegrenzung. Selten habe ich einen Fuballtrainer gesehen, der so bei der Sache ist.

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