| Liechtenstein, Mittendrin ´08 |
| Mittwoch, 25. Juni 2008 um 14:06 | ||||
Viertelfinale: Italien - Spanien 2:4 n. E. (0:0)Mitten in der EM-Zone liegt ein kleines Land, welches nicht an der Europameisterschaft teilnimmt. Nicht mehr. Früh war die Nationalelf des Liechtensteinischen Fußballverbandes bei der Qualifikation zur Euro´08 ausgeschieden. Jetzt liegt man zwar mittendrin, ist aber nicht dabei. Der Liechtensteiner an sich ist sehr stolz auf seine Herkunft. Dennoch gibt es auch in diesem kleinen Land Unterschiede. Es gibt das Unterland, welches tiefer liegt und sich vom Oberland (bewusst) unterscheidet. Die einen mögen mit den anderen nicht immer soviel zu tun haben. Dazu kommen lokale Rivalitäten zwischen den insgesamt elf verschiedenen Siedlungen. Kurz gesagt: es geht mitunter sehr provinziell zu in Liechtenstein.Vergangenen Sonntag komme ich von der Schweizer Seite über die Grenze in das kleine Fürstentum: Ich verlasse die Autobahn, fahre über eine Rheinbrücke und bin drinnen. Eine Kontrollstelle muss ich nicht passieren. Nur zwei Fahnen und eine kleines Schildchen bestätigen meine Grenzüberschreitung.
In 500 Metern Entfernung liegt der „Rheinpark", das Stadion des FC Vaduz, in dem auch die Länderspiele
ausgetragen werden. Der FC Vaduz spielt seit langem in der Schweizer Meisterschaft mit und ist in diesem Jahr in die Schweizer Superliga (1. Liga) aufgestiegen. Für ein nur 5500 Einwohner umfassendes Städtchen ist das aller Ehren wert.Ich fahre in das Zentrum der Hauptstadt. Die Fußgängerzone heißt bezeichnender und verniedlichender Weise „Städle". In Vaduz - und nur hier Nicht alle Liechtensteiner sind glücklich mit der Modernisierungswelle. Evelyn, bei der ich heute übernachten werde, haben die kleinen Cafés und Bauernhäuser, die noch vor zehn Jahren das Stadtbild prägten, besser gefallen. „Jetzt reiht sich eine Bank an die nächste, es wird Geld ausgegeben, einfach um zu zeigen, dass man Geld hat", ärgert sie sich. Dass nicht alles schlecht sein muss, was kostet, erfahren wir am Abend, als wir das Spiel des Tages auf dem Rathausplatz ansehen. Hier steht eine große Leinwand und man hat viele Bänke und Pappstühle aufstellen lassen. Nicht alle Orte dieser Größenordnung können sich über eine solche Fanmeile freuen.
Die Italiener feiern und lassen sich von dem langsamen Spiel nicht die Laune verderben. Als Alessandro del Piero eingewechselt wird, steigt die Stimmungskurve steil nach oben. Kurze Zeit später jubeln die Spanier. Italien ist ausgeschieden. Das hat man davon, wenn man T-Shirts trägt, auf denen Sprüche wie Am Montagmorgen besuche ich den LFV, den Liechtensteiner Fußballverband. Ich bin etwas nervös, als ich das zweistöckige Gebäude betrete. Was erwartet mich in der Verbandszentrale? Wie viele Leute werden da sein? Werde ich die richtigen Worte finden? Doch die Nervosität verfliegt schnell. Den LFV repräsentiert zu dieser Zeit genau eine Angestellte. Das Haus teilt man sich mit zwei Doktoren und einer weiteren Firma. Es reichen vier bis fünf Großraumbüros im obersten Stock. Ich werde sehr nett empfangen. Bereits vor einigen Tagen hatte man uns ein signiertes Trikot der Nationalelf versprochen. Die Dame, mit der wir gesprochen hatten, ist zwar krank, trotzdem ist alles kein Problem. Nach einem kurzen Telefonat bekomme ich das Trikot. Ich frage die Angestellte, ob der LFV versucht hat, sich an der EM zu beteiligen und einige Spiele nach Vaduz in den „Rheinpark" zu holen. Sie lächelt und meint, dass trotz bisher drei Stadionerweiterungen die Arena noch viel zu klein sei und viele Wir unterhalten uns ungefähr eine Viertel Stunde. Sie beklagt - wie viele Liechtensteiner, dass man im Ausland oft belächelt werde. Viele Liechtensteiner sind sehr patriotisch, stolz auf ihr Land und ihre Wurzeln. Dass manche andere von oben auf sie herabblicken, hat das Land nicht verdient. Trotz relativ kleiner Verhältnisse können die Liechtensteiner viele Errungenschaften vorweisen, auch wenn städtische, kosmopolitische Strukturen nicht dazu zählen.
Das ist in Vaduz nicht anders als in Berlin oder sonstwo. Ihren Kommentar hinzufügen
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Der Liechtensteiner an sich ist sehr stolz auf seine Herkunft. Dennoch gibt es auch in diesem kleinen Land Unterschiede. Es gibt das Unterland, welches tiefer liegt und sich vom Oberland (bewusst) unterscheidet. Die einen mögen mit den anderen nicht immer soviel zu tun haben. Dazu kommen lokale Rivalitäten zwischen den insgesamt elf verschiedenen Siedlungen. Kurz gesagt: es geht mitunter sehr provinziell zu in Liechtenstein.
ausgetragen werden. Der FC Vaduz spielt seit langem in der Schweizer Meisterschaft mit und ist in diesem Jahr in die Schweizer Superliga (1. Liga) aufgestiegen. Für ein nur 5500 Einwohner umfassendes Städtchen ist das aller Ehren wert.
in Liechtenstein - herrscht aber ein krasser Gegensatz zwischen Provinz und Globalität. Hier reiht sich ein Großbau an den nächsten. Stararchitekten haben einen großen Teil der Innenstadt entworfen, wie z.B. das neue in Ockerfarben gehaltene Parlament. Nur fünf Minuten von hier ist man zu Fuß schon wieder am Stadtrand, wo ganz normale Reihen- und Wohnhäuser die Straßen säumen.
Es sind erstaunlich viele Italiener anwesend. Die sprechen aber jedoch nicht italienisch, sondern - wie alle in Liechtenstein - eine Mischung aus deutsch, schweizerisch und österreichisch. Ich muss mich erst daran gewöhnen von in himmelblau gekleideten Italienern in meiner eigenen Sprache angesprochen zu werden.
UEFA-Bestimmungen hier wegen der fehlenden Infrastruktur einfach nicht erfüllt werden könnten. Eine EM wäre für die hiesigen Kraftverhältnisse nicht zu stemmen. Selbst der Aufstieg des FC Vaduz stellt Verband und Stadt vor einige Probleme.
Der gekränkten Seele vieler Liechtensteiner würde es gut tun, wenn man anerkennt, dass das Lächeln der anderen nichts damit zu tun hat, dass man die Leistungen der Ortsansässigen geringschätzt. Es ist vielmehr kurios zu erfahren, dass jeder über zwei drei Ecken das ganze Land kennt. Der einzige Unterschied ist der zwischen Ober- und Unterland. „Wenn man im Oberland zur Schule gegangen ist, kennt man dort den ganzen Jahrgang. Und irgendwann fangen die Leute dann doch an, sich zu vermischen."