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Internationaler Flughafen Frankfurt, Terminal 1, Abschnitt C, Ebene 0
Montag, 16. Juni 2008 um 23:09

Türkei - Tschechien 3:2

Ausnahmezustand am Frankfurter Flughafen. In einem etwas abgelegenen Teilstück des Terminals 1 wohnen 200 Menschen dem entscheidenden Spiel der Gruppe A bei. Viele von ihnen sollten an diesem Abend Dinge tun, die man von erwachsenen Menschen nicht unbedingt erwartet.

TafelNach einer langen Bahnfahrt von Münster über Köln, Koblenz und Mainz komme ich kurz vor 21Uhr am Fahnen auf TischRegionalbahnhof des Frankfurter Flughafens an. Ich starte eine Erkundungstour. Laut Informationen der Presseabteilung wird auf Ebene 0 des Terminals 1 Fußball gezeigt.

Doch wo befindet sich diese Ebene 0? Ich irre umher. An der Abfertigung sehe ich nach ca. fünf Minuten den ersten Fernseher, auf dem das Spiel Türkei - Tschechien läuft. Wie es steht, kann man aus der Ferne nicht erkennen. Meine Suche, bei der ich an Geschäften, Check-In-Schaltern und jeder Menge Touristen vorbeikomme, geht weiter.

Keine Spur von Ebene 0. Zumindest weiß ich nach einer viertel Stunde, dass ich mich aktuell auf Ebene 2 befinde. Den Weg nach unten finde ich nicht. Noch nicht. Immer wieder verirre ich mich und komme an einem der unterirdisch gelegenen Bahnhöfe heraus.

Zuschauer stehendDoch dann naht kompetente Hilfe. Von einem Touristen wird mir der Weg zum „Public Viewing" genau erklärt; die letzten hundert Meter hätte ich aber auch ohne Beschreibung gefunden. Schon von weitem höre ich die Klagerufe der türkischen Fans.Hoch auf dem grünen Wagen

Dann bin ich da. In einem abgelegen Flughafengang in zweitem Untergeschoss hat man vor einem sehr großen Fernseher viele Bierzeltgarnituren nebst Theke aufgebaut. Ungefähr zweihundert Menschen sind versammelt. Die meisten tragen Uniformen, Schlüsselanhänger oder Ausweise, die sie als Mitarbeiter des Flughafens enttarnen. Vor allem türkische Anhänger zittern mit ihrem Team. Als das 2:0 für Tschechien fällt, jubeln genau zwei Flughafenmitarbeiter.

Es beginnen die letzten 20 Minuten. Viele der Türken sind schon in der Halbzeitpause gegangen. Die noch versammelten springen immer wieder auf, versperren den hinter ihnen sitzenden Zuschauern die Sicht. Es wird laut geflucht. Die Verzweiflung ist scheinbar mit Händen zu greifen.


HalbzeitArda und Nihat erlösen wenig später 67 Millionen Türken. Am Frankfurter Flughafen ist die Hölle los. Viele hält es nach dem groben Fehler Peter Cechs schon nicht mehr auf den Bänken. Das Elfmeterschießen vor Augen werden „Türkiye"-Sprechchören angestimmt. Rhythmisches Klatschen setzt ein. Die Gesichter der um mich herum Versammelten spiegeln Erleichterung, die sich mit unverwechselbarem türkischen Nationalstolz vermischt.

Türkischer JubelDann fällt das 3:2. Alle Dämme brechen. Menschen liegen sich in den Armen, hüpfen vor Freude wild durch die Halle. Genau vor mir schmeißt sich ein etwa Vierzigjähriger Mann auf den Boden, dreht sich brüllend um die eigene Achse. Er realisiert in diesem Moment nicht, dass er dabei sein Handy verliert.

Gleichzeitig mit einem afrikanischen Touristen stehe ich auf, um des Türken Telefon zu retten. Aufs Neue ist bewiesen: Fußball dient der Völkerverständigung.

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Fußball bewegt - Reisetagebuch zur Fußballeuropameisterschaft 2008