| Bern, Wankdorf und Altstadt, Fußball-Historisches |
| Samstag, 21. Juni 2008 um 18:19 | ||||
Viertelfinale Kroatien - Türkei 1:3 n.E.; 1:1 (0:0, 0:0, 0:0)In der Schweizer Hauptstadt sind es vor allem Touristen, die mir ans Herz wachsen. Ich erlebe einen erfüllten Tag in einem mit mehr als tausend EURO-Fahnen geschmückten Altstadt-Zentrum.
Wir stehen im Stau. Ich habe wieder jemanden mitgenommen: Einen israelischen Gaststudenten, der in Basel Malerei studiert. Wir unterhalten uns. Seine Familie ist in der ganzen Welt verteilt: Die Eltern noch in Israel, die Schwestern in New York. Er selbst sagt, Israel sei eine Nation, die „gefühlsmäßig ununterbrochen im Krieg lebt", daher sei er gegangen. In Basel gefällt es ihm gut, auch wenn die Schweizer seiner Meinung nach kalt und für Entwicklungen nicht zu gebrauchen sind. Ich schlage ihm vor in Deutschland zu studieren, worauf er zustimmend nickt, aber irgendwie doch in Basel bleiben will. In Bern ist es heiß. Wir finden den Bahnhof und ich den Weg zum Stadtteil Wankdorf ohne Umwege. Das dort stehende „Stade de Suisse" gleicht eher einem IKEA in schwarz, denn einem Stadion. Es ist kastig, mit Netzen quaderförmig gehalten. In seinem Innern liegt das Stadion, darunter ein r-i-e-s-i-g-e-s Einkaufszentrum.
Beim Schlendern sehe ich mich um. Mache hier und da ein paar Photos. Ins Stadion darf ich nicht. Warum nicht, wird mir nicht verraten. Alles ist hier ganz wichtig. Eine Stunde später höre ich laute Musik. Im ersten Moment denke ich, dass gleich ein tiefergelegtes BMW-Cabrio mit einem kleinen Fahrer um die Ecke biegt. Doch die Musik bleibt gleichlaut. Erst später bemerke ich, dass es hier um einen Soundcheck geht. Als ich auf Plakaten die Ankündigung von Stefanie Heinzmanns Konzert in Bern lese, bestätigt sich mein Verdacht.
Dann suche ich einen Schlafplatz. Das ist in der Schweiz sehr kompliziert. Es gibt gelbe, weiße und blaue Parkzonen, und nicht alle Anwohner, die ich frage, wissen über das „Auto-Abstell-System" Bescheid. Wann darf man noch mal wo wie lange parken? Ab 19Uhr unbegrenzt? Oder nur in den blauen Flächen? Nein, doch die gelben? Und wofür sind die Weißen? Ich stelle mich in die blaue Zone, und es klappt. Ich werde am nächsten Morgen ohne Strafzettel aufwachen.
Ich verlasse meine Stadtrunde. Das Spiel hat schon begonnen. In verschiedenen der vielen Kneipen und unzähligen Restaurants wird Fußball gezeigt. Doch mich zieht es zum Bundesplatz, wo das Spiel auf einer großen Leinwand stattfindet. Als ich dort ankomme, erwartet mich ein langsames Geschiebe und viele betrunken Fans. Ich ziehe weiter. Sehe hier und da in den Kneipen Szenen des Spiels. Zu Beginn der Nachspielzeit beginne ich, die Leute, die ich fernab der Fernseher treffe, zu fragen, warum sie kein Fußball schauen. Der erste antwortet nicht. Die beiden nächsten, vielleicht 18 jahre alt, interessieren nur die Spiele der Schweiz. Schade für sie. Einer schaut überhaupt keinen Fußball, „vor allem aber nicht zu Hause" engt er seine ohnehin schon abweisende Haltung weiter ein. Drei 16jährige Mädels schauen nur die 2. Halbzeit und vor allem kroatische und deutsche Spiele. Ich schaue etwas unverständig. Denn für einen Fußballabend wären in diesem Fall alle Voraussetzungen gegeben. Schließlich treffe ich ein englisches Pärchen und eine Gruppe Polizisten. Bei ersteren erklärt sich die Ich eile zurück zum Fernseher. Zuviel Absenz ist nichts für mich. Es wird spannend. Als das 1:0 für die Kroaten fällt, weiß ein türkischer Budenbesitzer nicht, was er machen soll: Er schaut zum Fernseher, schüttelt den Kopf, wendet sich ab, rauft sich das Haar, guckt doch wieder hin, schüttelt wieder den Ich gehe zum Bahnhof zurück. Es bleibt überraschend ruhig in Bern. Ein kleiner türkischer Autokorso zieht durch die Straßen, an kroatischen Fans vorbei. Die waren in der Schweizer Hauptstadt zahlenmäßig in der Überzahl, bleiben aber friedlich. Eine letzte Erkenntnis lässt mich anerkennend lächeln: Das Feiern der Türken in Bern ist wunderbar freudig, die Sprechchören geben einem nicht das Gefühl aggressiver Gefühlsentladung. Mit dem Bus fahre ich zu meinem Auto. Als ich ankomme, zieht der ca. 6 Wagen zählende Autokorso gerade dort vorbei. Ihren Kommentar hinzufügen
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Seit zwei Tagen ist es heiß. Und es hört nicht auf, von oben zu brennen. Es wird wärmer und wärmer. Für die Region um Bern sind am gestrigen Tag knapp 30 Grad gemeldet. Im Auto fühlt es sich noch wärmer an.
Im Einkaufszentrum treffe ich auf einen Papp-„Köbi" und frage ein Pärchen, ob sie von mir und meinem neuen Freund ein Photo machen würden. Die Frau sagt nichts, der Mann schaut mich ungläubig an lächelt und ... beschleunigt seinen Schritt. Ich frage noch einmal auf italienisch, doch es hilft nichts. Ich suche einen Spiegel, um zu verstehen, warum man so reagiert. Doch ich habe keine Erklärung. Beim nächsten Passanten klappt es. Ich bekomme mein Photo.
Nun geht es mit dem Bus in die Innenstadt. Da diese sehr alt ist, trifft es der Begriff Altstadt besser. Sie wird von der Aare in einem Bogen umschlossen, gleicht damit einer Halbinsel und ist wunderschön. Ein sehr altes Haus steht am nächsten. Dazu gibt es kleine verwinkelte Gässchen und hier eine Kirche und dort ein Repräsentanzbau. Das Wasser der Aare ist türkisgrün und fließt forsch durch den Flussbogen. Die Altstadt liegt an manchen Stellen, zum Beispiel hinter dem Münster, bis zu 30 Meter über dem Fluss. Wasser und Wald. Das ist es, was man sieht, wenn man ans andere Ufer hinüber
blickt. Die Wohnungen, die diese Richtung blicken, müssen ein Vermögen wert sein.
Ablehnung der EM von allein; die Wächter des Gesetzes sind an der falschen Stelle eingeteilt, beteuern aber (etwas zu) deutlich, dass ihnen das „überhaupt nichts ausmacht!" Präsenz zu zeigen wäre wichtig.
Kopf, ... Seine gelebte Verzweiflung wird wenig später durch das 1:1 jäh beendet. Den Rest kennt jeder. Ein kurioses Elfmeterschießen bringt für den kommenden Mittwoch das Duell Deutschland - Türkei.