| Morgens beim BVB --- abends mit den Johannitern beim Public Viewing auf dem Friedensplatz in Dortmund |
| Geschrieben von: Marco Di Lenarda | ||||
| Freitag, 13. Juni 2008 um 09:48 | ||||
Deutschland - Kroatien 1:2Ein Tag in Dortmund beginnt. Tokio Hotel, Dauerregen und Schlägereien werden ihn und mich begleiten. In kurzen Hosen hetze ich durch die Stadt und friere. Die Stimmung unter den trotz des miserablen Wetters zahlreichen Fans ist aggressiv.
Nach einer zweistündigen Irrfahrt durch Dortmund bin ich angekommen und frage mich sogleich, warum um alles in der Welt man auf einem Parkplatz zelten muss? Vor der Westfalenhalle! Wenig später kommt eine - wenn auch nicht für alle nachvollziehbare - Logik in diese Beobachtung. Bill und sein Bruder und seine Freunde von Tokio Hotel sind morgen in der Stadt. Ich habe keine weiteren Fragen.
Den Lohn für meine Mühen halte ich wenig später in Form eines kleinen BVB-Fanpakets in der Hand, welches in Kürze auf unserer Seite versteigert wird. Dazu gibt es ein Photo mit dem stellvertretenden Fanbeauftragten Sebastian Vallait vor der Interview-Wand der Schwarz-Gelben. Es geht zurück in die Stadt; ich versuche vergeblich ein ruhiges Plätzchen zu ergattern, um meine Berichte zu schreiben. Schon um die Mittagszeit ziehen Horden von deutschen und kroatischen Fans durch die Stadt, singen und schreien und jubeln. Noch ist die Stimmung gut. Doch der Regen und der Alkohol fordern die Nerven der zumeist jugendlichen Zuschauer. In keiner anderen Stadt waren die Fußballfans bisher derart jung und derart aggressiv.
An diesem Abend fordern nicht die Hitze, sondern das wahrlich schlechte Spiel der deutschen Elf und eben der Alkoholkonsum die Nerven der Versammelten. Bis zur 60. Minute zähle ich vier Schlägereien. Worum es geht, ist selten zu erkennen. Meist reicht wohl die falsche Farbzusammensetzung des um die Taille gebundenen Stückes Stoff für eine Auseinandersetzung aus. Kopfschüttelnd wandern meine Blicke zurück zur riesigen Leinwand. Doch auch dort bekomme ich wenig Erfreuliches zu sehen. Ilja und Dana von den Johannitern geht es ganz an diesem Abend gut. „Zwei Pflaster haben wir verteilt, mehr nicht", berichten sie und freuen sich auf den Feierabend um 20.30Uhr. Auf dem Weg zum nächsten Spiel spreche ich einen Polizisten auf die aggressive Stimmung an. Er lächelt milde und überlegt, ob ich die Frage ernst meine. „Aggressiv? Das ist noch gar nichts! Bei einem Bundesligaspiel ist das viel schlimmer!" Ich denke mir meinen Teil und gehe.
Kommentare (1)
Dortmunder Polizei
1
Sonntag, 15. Juni 2008 um 17:37
Carlo D L
der Dortmunde Bulle muss es ja wissen..
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Mit dem Zug komme ich nach Dortmund. Am Bahnhof werde ich von einer Angestellten der Deutschen Bahn in die komplett falsche Richtung geschickt. Verabredet bin ich mit dem Fanbeauftragten des BVB; doch der Bus, der mir gewiesen wurde, hält auch nicht annähernd in der Gegend um die Westfalenhallen.
Am Friedensplatz angekommen spreche ich mit Ilja, Abiturient und freiwilliger Mitarbeiter bei den Johannitern. Heute ist es ruhig und viel ist nicht zu tun für die Sanitäter, die zusammen mit dem Roten Kreuz und den Maltesern für die medizinische Erstversorgung beim Fan-Fest zuständig sind. „Beim Spiel gegen Polen war das anders", erklärt Ilja, „die Sonne strahlte und viele Fans mussten mit Kreislaufproblemen behandelt werden".
