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Ascona mit Borowski, Fritz, Schweini und Co.
Geschrieben von: Marco Di Lenarda   
Sonntag, 22. Juni 2008 um 18:16

Viertelfinale: Holland - Russland 1:3 (1:2, 1:1, 0:0)

Sommer am Lago Maggiore. Der Schweizer Süden geht hier fließend in italienisches Gebiet über. In der Hafenstadt Ascona hat die deutsche Nationalmannschaft Quartier bezogen. Ich sollte an diesem Tag nicht nur einen Nationalspieler treffen

Ascona Public ViewingAus Bern kommend bin ich schon gegen Mittag in Tenero. Dort hat der DFB in einem Jugendsportzentrum seine Medien- und Trainingsplätze. Für 12.30Uhr ist die Pressekonferenz angesetzt. Viertel nach 12 bin ich vor Ort, wobei die Betonung auf „vor" liegt. Denn ohne Presseausweis kommt man auch nicht annähernd an das Pressezentrum heran. Selbst der Parkplatz vor dem riesigen Gebäude- und Sportkomplex war tabu.

Um kurz vor halb eins kamen die für diesen Tag ausgewählten Akteure des DFB-Trosses. In großen Geländewagen eines asiatischen Sponsors fuhren Andy Köpke, Miro Klose, Arne Friedrichs und Christoph Metzelder an uns vorbei. Zuerst hinein, später wieder gen Ascona zurück. Bis auf den Bundes-Torwarttrainer blickten dabei alle stur nach vorne. Die vor dem Eingang versammelten Fans und auch ich waren ein wenig enttäuscht von soviel „Professionalität".

LagoDie Sonne brannte und ich brauchte nach dem Warten vor dem Eingang eine Abkühlung. Ich spazierte auf einen Campingplatz, der genau neben dem Trainingszentrum lag, und stürzte mich in den Lage Maggiore. Schwimmend näherte ich mich dem Nachbargelände. Von weitem war aber wenig zu erkennen. Ein Handvoll Badende machte ich aus. Daneben standen zwei, drei große von ARD-Logos umgebene Sessel. Hier finden wohl Interviews statt.

Ich hatte (leider nicht) genug gesehen. Jetzt ging es nach Ascona. Einen Parkplatz fand ich etwas weg von See. Dadurch wurde Ascona Stadtich zu einem Fußmarsch durch das Städtchen gezwungen, um zur Hafenpromenade zu gelangen, wo das Herz der Stadt schlägt. Ich ging durch enge Gäschen, an einem alten Kirchturm vorbei, die Häuser hier waren schlicht und viele in Orange- oder Gelbtönen gehalten. Dazu gab es die immer gleich aussehenden braunen Fensterläden. Alles sah sehr italienisch aus. Und zumeist wurde auch in dieser Sprache kommuniziert.

An der Promenade war ich überwältigt. Eine schöne Stadt an einem lauen Sommerabend an einem großen Gebirgssee. Hier war eine Leinwand aufgebaut, wo Fußballinteressierte auf ihre Kosten kamen. Ein Versuch meinerseits, mal schnell zum Hotel „Il Giardino" zu laufen, das laut eines Restaurantangestellten 10 bis 15 Minuten entfernt lag misslang. Als ich nach knapp 20 Minuten Fußweg noch einmal nach dem Weg fragte, mir bestätigt wurde, dass ich in der richtigen Richtung, doch mindestens noch 15 Minuten unterwegs wäre, brach ich ab, und kehrte zum Hafen zurück. In Ascona ist also schon die „italienische" Ungenauigkeit hinzuzurechnen.

Am Lago MAggiore in AsconaAm Hafen passte der Fußball nicht recht ins Bild. Irgendwie störte der Lärm. Hier, wo man sonst genießend am See entlang spaziert um schließlich noch ein Glas Wein zu trinken, erlebte ich den Fußball wie einen Kultur-Schock. Einheimische, die ich darauf ansprach, meinten, sie störten sich nicht an der EURO und ihren Nebenerscheinungen; ich solle aber in ein paar Wochen noch einmal nach Ascona kommen. Dann wäre ein wunderbares Jazz-Festival am Hafen und in der Stadt „richtig was los". Ich begann zu verstehen.

Beim „Public-Viewing" zurück sah ich einige (sehr) wenige Holland-Trikots - ich zählte genau zwei davon, dafür umso mehr FußballfeldbootSicherheitsbeamte in Uniformen einer spanischen Firma. Es waren dieselben, die schon für den „Schutz" des Medienzentrums verantwortlich waren. Einer von Ihnen kam auch mich zu, zeigte auf die an meinem Handgelenk baumelnde Camera und meinte auf italienisch „Fotografieren ist hier verboten".

Mein Unverständnis erkennend erklärte er mir schließlich, dass im Restaurant hinter ihm einige Nationalspieler säßen und dass deswegen hier nicht geblitzt werden solle. In Gedanken dankte ich ihm für die Information und wenig später hatte ich Bastian Schweinsteiger mit Freundin ausgemacht, der mit Jens Lehmann am Tisch saß. Daneben dinierten die Herren Borowski, Fritz, Westermann und Adler. Letzterer mit dem Rücken zum Bildschirm. Das Spiel schien ihn nicht zu interessieren.

Wie der Abend zu Ende ging, lesen sie morgen an dieser Stelle.

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Fußball bewegt - Reisetagebuch zur Fußballeuropameisterschaft 2008