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„Fanzone" Basel, Schweiz
Geschrieben von: Marco Di Lenarda   
Freitag, 20. Juni 2008 um 12:32

Viertelfinale Deutschland - Portugal 3:2

Basel am Donnerstag, dem 19. Juni 2008. Zum Europameisterschaftsviertelfinale sind ungefähr 50000 Deutsche in die Schweizer Grenzstadt gekommen. Auch ich bin da und muss feststellen, dass es gar nicht einfach ist inmitten derart vieler Menschen einen kühlen Kopf zu bewahren.

Der Himmel in Basel über Thomas HitzelsbergerDie Aktion „Fussball-bewegt" kommt am Donnerstag zeitgleich mit der deutschen Nationalelf nach Basel. Während Jogis Helden von Ascona aus anreisen, komme ich aus Nordosten. Von München über Bregenz und Zürich geht die Reise. Ich habe drei Mitfahrer, die mich die Zeit kurzweilig empfinden lassen.

Nachmittags um 14Uhr bin ich in der Schweizer Rheinstadt angekommen. Von Fans und Fahnen sehe ich noch wenig, aber die Autobahnen führen auch nicht am Stadtzentrum vorbei. Dafür fahren wir am St. Jakob-Park vorbei, dem Stadion des Baseler FC. Von außen gleicht er durch eine Plexiglasschale eine wenig der Allianz-Arena in München. Beim Vorbeifahren überkommt mich eine Gänsehaut.

Dann beginnen die Abendvorbereitungen. Ich schreibe noch ein wenig und suche einen Schlafplatz; zum ersten Mal werde ich die Nacht im Auto verbringen. Es sollte eine gute Nacht werden.

Um 18Uhr fahre ich von Lörrach, wo ich einen geeigneten Platz gefunden habe und es sich noch im deutschen Handynetz telefonieren lässt, mit dem Zug zum Badischen Bahnhof der Stadt Basel. Drei Viertel der Mitfahrer haben Deutschland-Trikots an, tragen Fahnen, Gesichtsschmuck oder ganz und gar ausgefallene Sachen. Ich sehe einen aufblasbaren Adler, der als Kopfschmuck dient, viele Perücken in verschiedenen Formen, ein Deutschland-Kostüm in Obelix-Schnitt, und vieles mehr.

Der Bus der DFB-ElfAls wir in Basel angekommen sind, geht es zu Fuß in Richtung Fanzonen. Dabei kommen wir am Hotel der deutschen Elf vorbei. Schnell erfahre ich, dass der Mannschaftsbus die Hotelgarage noch nicht verlassen hat. Es warten etwa 1000 Schaulustige, „Deutschland Deutschland"-Sprechchören bestimmen den Moment. Vom Bahnhof her kommen immer mehr Fans, sodass die wartende Menge ansteigt, obwohl viele in Richtung Rhein weiterziehen.

Nach knapp einer Stunde kommt um kurz vor 19Uhr der Bus. Alles geht sehr schnell. Ich mach ein Bild, winke andächtig den verdunkelten Scheiben des weißen Groß(t)raumwagens zu. Dann ist er weg.

Die Menge zieht weiter. Immer wieder wird man zum „Hinsitzen" aufgefordert. Dann folgt ein ständig gleiches Prozedere: „Gebt mir ein H", schreit ein Vorsinger, worauf die sitzende Menge ein lautes „H" brüllt. Dem H folgen die Buchstaben U, M, B und A. Variabel ist der Einsatz eines „Ausrufezeichens" am Ende. Nach dem „A" springen alle Versammelten dann gleichzeitig auf und beginnen ihr Lied: „Wir singen HUMBA HUMBA HUMBA Tätarä, Tätarä, Tätarä, ..." Kein Auto, keine Straßenbahn, kein Polizist kann diese kleinen Zusammenkünfte verhindern.

Stimmung auf der TribüneAm Rhein angekommen bekomme ich erneut Gänsehaut. Noch nie habe ich eine so schöne Location für das Public Viewing gesehen. Fans in BaselZu beiden Seiten der Mittleren Brücke versammeln sich auf der nördlichen Rheinseite die Menschen, um dem auf zwei Leinwänden an der Brückenfassade gezeigten Spiel beizuwohnen. Wie viele Menschen hier sind, kann ich nicht nachvollziehen. Die Zeitungen sprechen von ca. 50000 Deutschen. Am Samstag werden zum Spiel Holland - Russland etwa doppelt so viele Holländer erwartet. Einige sind schon da. Später sehe ich auch Italiener, Franzosen und sogar Engländer.

Am Rhein sitzend warten wir auf das Spiel. Ich bin überwältigt. Die Altstadt am Rande des Rheins ist wunderschön, auf der anderen Seite kann man das Rathaus sehen, die Sonne geht unter, viele Fans sind versammelt und es werden immer mehr.

Verbrüderung in Basel?Vor dem Spiel singen vor allem die Portugiesen. Sie sind zwar deutlich in der Minderheit, präsentieren aber ihre Lieder und ihre Tänze als seien sie zu Hause. Gut gelaunte portugiesische Fans in BaselEine wunderbare Stimmung herrscht, als das Spiel beginnt. Langsam werden die Deutschen lauter, die Portugiesen verstummen dafür.

Während des Spiels wechsle ich noch auf den nahe gelegenen Münsterplatz. Auch dort wird das Spiel auf einer Leinwand gezeigt. Ich sehe viele kopfschüttelnde Deutsche, die nicht glauben können, dass ihre Elf soeben einen Topfavoriten aus dem Turnier wirft. Die Stimmung vor dem Spiel war pessimistisch gewesen.

Dann beginnen die vier Minuten Nachspielzeit. Portugal hat soeben den 2:3 Anschlusstreffer erzielt. Viele Deutsche zittern dem Schlusspfiff entgegen, bejubeln jede gute Aktion ihrer Nationalmannschaft und freuen sich über jeden kleinen Zeitgewinn, den ein portugiesischer Fehlpass erzwingt.

Dann ist das Spiel zu Ende, die Party beginnt. Mitten unter den jubelnden Deutschen sehe ich so manchen Portugiesen mit wässrigen Augen. Ungläubig ziehen sie davon. Ich lasse mich von der singenden Meute deutscher Anhänger treiben. Durch die Fanzone geht es sehr langsam wieder zurück zum Bahnhof. Public Viewing in BaselDie wenigsten der nach Deutschland zurückströmenden hatte Karten für das Spiel; die Stimmung ist dennoch ausgelassen und fröhlich. Ein älterer Herr beschwert sich, dass die Party an einem Donnerstag angepfiffen wurde und nicht am Wochenende stattfand. Den vielen Schülern ist das egal. Am morgigen Freitag werden viele Lehrer im Kreis Lörrach wohl in kleine Augen sehen. Oder in wenige.

Als wir nach gefühlten zwei Stunden am Bahnhof zurück sind, ist dieser wegen Überfüllung gesperrt. In allen Eingängen stehen die Menschen in schwarz und weiß und schwarz-rot-gold und wollen nach Hause. Dass die Stimmung dennoch gut bleibt, ist ein Zeichen für die sehr friedliche Atmosphäre.

Zum Glück gibt es noch eine Straßenbahnverbindung an die Grenze. Mit der Linie 6 fahre ich nach Riehen, gehe die letzten 500 Meter über die Grenze nach Lörrach und zu meinem Auto zu Fuß. Geschafft und etwas froh, dem Trubel entkommen zu sein, schlafe ich ein.

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