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Geschrieben von: Marco Di Lenarda
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Sonntag, 29. Juni 2008 um 14:03 |
Wien, spielfrei am Samstag vor dem Finale
Auf der Donauinsel bereiten wir uns mit Beachvolleyball auf das EM-Finale vor. Auch am dritten Tag meines Wien-Besuchs kläre ich die Österreicher darüber auf, dass die zwischennationale Antipathie sehr einseitig ist: Wir Deutschen haben nichts gegen Österreich. Ich muss feststellen, dass das umgekehrt nicht immer so (einfach) ist.
Wieder einmal war es eine kurze Nacht auf einer bald endenden Tour. Übermorgen werde ich Wien - hoffentlich als Europameister - wieder verlassen. Glücklicherweise habe ich in der Clique meines alten Bekannten Ralph eine nette Runde gefunden, die mir etwas von Wien zeigt.
Wir fahren zur Donauinsel, einem künstlichen Eiland, das die Donau in zwei Arme teilt. Zählt man die „alte Donau" und den Donaukanal dazu, gibt es vier Wasserstraßen, die die Stadt durchziehen. Dazu kommen einige Seen und mindestens ein weiterer Fluss.
Dass vom Wasser umgebene Grün lädt zum Entspannen ein. Nach einigen Beachvolleyballspielen liegen wir auf der Wiese und quatschen. Immer wieder blitzt in Gesprächen - z. B. über das bevorstehende Finale - die Antipathie durch, die die Österreicher gegen den „Großen Bruder" im Norden pflegen. Manche wissen nicht, dass diese Abneigung einseitig ist, dass es in Deutschland nicht viele Menschen gibt, die Österreich nicht mögen bzw. es als minderwertig beurteilen. Sie sind überrascht von der relativ entspannten Einstellung, die ich Ihnen von Deutschland vermittle. Ich dagegen bin überrascht, dass ich auf eine emotional sehr aufgeladene, oft ablehnende Haltung treffe.
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Geschrieben von: Marco Di Lenarda
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Sonntag, 29. Juni 2008 um 13:47 |
Wien, spielfrei
Nach einem anstrengenden ersten Tag in Österreichs Hauptstadt, erlebe ich Wien am 2. Tag von seiner schönen Seite. Ich versöhne mich der Stadt und treffe am Abend einen alten Freund aus Rio de Janeiro wieder.
 Mit der Bahn fahre ich in die Stadt. Ich habe ein 72-Stunden-Ticket, kann in dieser Zeit sooft Bus und Bahn fahren, wie mir beliebt. Ich lasse mich treiben, komme irgendwie über Umwege zum Donaukanal. Bis dahin hat sich mein Bild des Vortages bestätigt: Wien ist unfertig. Oft wird gebaut, vieles ist gut gemeint, aber passt doch nicht zusammen. 
Obwohl es auf ein Wochenende im Sommer zugeht, sind viele Cafés und Uferbars am Donaukanal nicht geöffnet. Oder man baut noch immer am Interieur, und das mitten in der Saison. Das verwundert, gerade wo diesen Sommer die EURO in der Stadt ist. Auf einem Hochhaus thront eine Leuchtreklame. Das die Anzeigen nicht zu lesen sind, da Teile des riesigen Bildschirms nicht funktionieren, hat Symbolcharakter.
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Geschrieben von: Marco Di Lenarda
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Sonntag, 29. Juni 2008 um 13:20 |
2. Halbfinale: Russland - Spanien 0:3 (0:0)
Was erwartet einen Touristen in Wien? Die Stadt ist voller Widersprüche. Sehr viele alte Gebäude liegen in Straßen, deren Führung den Verkehr oft mehr behindert, als das sie ihm hilft. Die Atmosphäre strahlt dennoch pragmatische Zuversicht aus. Und in der Mitte liegen mehrer Donauarme, von denen manche Wiener nicht wissen, wie viele es sind und wie sie heißen.
 Nach einer sehr kurzen Nacht komme ich am frühen Nachmittag nach Wien. Der erste Eindruck: Wien ist sehr groß, mit Berlin eher vergleichbar als mit Köln, und ein wenig chaotisch. Ich fahre planlos durch die zum Teil sehr engen Gassen. Zaghafte Parkversuche in der Innenstadt enden im Nichts.
Ich erfahre, dass man zum Parken Parkscheine braucht. Soweit, so gewohnt. Dass es diese jedoch nicht an Automaten auf der Straße, sondern in Kiosken - sogenannten Trafiken - und in drei- bis vierfacher Farbauswahl gibt, treibt mich mit dem Auto an den Stadtrand.
 Dort parke ich auf einem Supermarkparkplatz, der an eine Außenstelle des ÖAMTC - das österreichischen Pendant zum ADAC - angrenzt. Ich informiere mich über die Parkmöglichkeiten, und bekomme eine mehr als 100seitige Broschüre „Parken in Wien" ausgehändigt. Ab jetzt fahre ich mit der U-Bahn.
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Geschrieben von: Marco Di Lenarda
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Donnerstag, 26. Juni 2008 um 16:54 |
Halbfinale: Türkei - Deutschland 2:3 (1:1)
EM vorbei - Gastfreundschaft vorbei? In Salzburg stoße ich nach zweieinhalbwöchiger Tour zum ersten Mal auf gelebte Unfreundlichkeit. Nachdem die eigene Mannschaft ausgeschieden ist, zählt für unser Nachbarland anscheinend nur eines: Der Europameister soll nicht aus Deutschland kommen.
 Am späten Abend komme ich in Salzburg an. Das pädagogische Seminar der Universität ist mein Ziel: Dort geben einige Studenten ein Sommerfest. Eine der Veranstalterinnen, Sandra, hat mir für die Nacht ein Quartier versprochen.
Dank einer guten Beschreibung finde ich die Uni sofort. Als auch Sandra kommt, wird schnell klar: Die Organisation des Festes ruht vor allem auf ihren Schultern, und ich werde mich selbst um Kontakte und eine Abendgestaltung kümmern müssen.
Zunächst bringe ich das Auto in die Stadt. Vielleicht wird ja länger gefeiert und ein Bier zuviel getrunken. Dass dies am gestrigen Abend eine falsche Überlegung war, stellt sich später noch heraus.
Das Auto parkt vor Sandras Wohnung, ich laufe durch die Stadt zurück zum Fest, komme an Mozarts Geburtshaus und dem Schloss Mirabell vorbei. Eine schöne Stadt mit gewundenem Fluss - der Salzach - und Festung zeigt sich mir.
Es sind einige wenige deutsche und viele türkische Fans unterwegs. Schon jetzt wird hier gefeiert: Einen Autokorso vor Spielbeginn habe ich zuvor noch nicht erlebt. Die Türken sind vorsichtig optimistisch. Einer meint: „Wir gewinnen 1:0!"
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Geschrieben von: Marco Di Lenarda
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Donnerstag, 26. Juni 2008 um 16:45 |
Zweiter spielfreier Tag der EURO 2008
Das Stubaital erstrahlt dieser Tage in den Farben rot-gelb-rot. Die spanische Nationalmannschaft hat sich mit ihrem Trainer Luis Aragones in Neustift im Hotel „Milderer Hof" einquartiert. Ihre südländische Lässigkeit haben sie mitgebracht. Anders als der DFB in Ascona und Tenero ist zum Beispiel das Training für jedermann zu sehen.
 Von Innsbruck aus bin ich in knapp 25 Minuten in Neustift und habe bald das Hotel gefunden. Von den Erlebnissen in Ascona und Tenero geprägt nähere ich mich langsam dem Mannschaftshotel und erwarte jeden Moment von einem Sicherheitsbeamten weggeschickt zu werden.
Auf einmal kommt mir ein Tross Journalisten entgegen. In der Mitte schlendert entspannt der spanische Trainer, Senor Luis Aragones. Er gibt einem weiblichen Fan ein Autogramm und ist wieder im Hotel verschwunden. So einfach geht das hier.
Es ist 17 Uhr. Ungefähr zehn Fans warten vor dem Hotel darauf, dass sich die Spieler zeigen. Für 18 Uhr ist ein öffentliches Training angesetzt. Nach und nach kommen immer mehr Sicherheitsbeamte und Polizisten auf den Hotelhof, warten wie wir auf die Spieler und stören sich nicht daran, dass die Fans auf eine Mauer klettern, um über den Hotelzaun bessere Sicht auf den Hotelausgang zu haben.
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Geschrieben von: Marco Di Lenarda
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Donnerstag, 26. Juni 2008 um 16:41 |
Erster spielfreier Tag der EURO 2008
Am ersten spielfreien Tag dieser Europameisterschaft komme ich nach Österreich. Über Bludenz und Landeck geht es nach Innsbruck. Wie sich bald herausstellt darf ich inmitten des EURO-Landes bei einem deutschen Weltmeister nächtigen. Wenn das kein gutes Omen ist! Am Abend lassen wir es bei Wolfgang Ambros so richtig krachen.
Um kurz vor 16 Uhr komme ich nach Innsbruck. Axel, bei dem ich für die Nacht eine Schlafmöglichkeit habe, lotst mich aus der Stadt hinaus, am Tivoli vorbei den Berg hinauf. Ich fahre nach Innsbruck-Igls, passiere dabei die berühmte Skischanze auf dem Berg Isel. Dort angekommen treffe ich den Axel, einen frisch gekürten Weltmeister im Pappbottfahren, und einige Freunde.
Zehn Minuten später sind wir schon auf dem Heimweg. Ein Gewitter war aufgezogen und hatte in Windeseile für Regen gesorgt. Wären die Jungs nicht sofort aufgesprungen, ich wäre mit Sicherheit nass geworden. So schnell geht das in Köln nicht mit dem Wetterumschwung.
Wir planen den Abend. Auf dem Berg Isel spielt „Gentleman", in der Stadt gibt „Wolfgang Ambros" die Gegenveranstaltung. Unsere Gruppe spaltet sich. Wir haben uns für den Österreichischen Liedermacher entschieden. Mit gemischten Gefühlen und wenig Erwartungen mache ich mich auf den Weg. Es geht durch die Altstadt, am goldenen Dacherl vorbei zum Rathausplatz.
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Geschrieben von: Marco Di Lenarda
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Mittwoch, 25. Juni 2008 um 14:06 |
Viertelfinale: Italien - Spanien 2:4 n. E. (0:0)
Mitten in der EM-Zone liegt ein kleines Land, welches nicht an der Europameisterschaft teilnimmt. Nicht mehr. Früh war die Nationalelf des Liechtensteinischen Fußballverbandes bei der Qualifikation zur Euro´08 ausgeschieden. Jetzt liegt man zwar mittendrin, ist aber nicht dabei.
 Der Liechtensteiner an sich ist sehr stolz auf seine Herkunft. Dennoch gibt es auch in diesem kleinen Land Unterschiede. Es gibt das Unterland, welches tiefer liegt und sich vom Oberland (bewusst) unterscheidet. Die einen mögen mit den anderen nicht immer soviel zu tun haben. Dazu kommen lokale Rivalitäten zwischen den insgesamt elf verschiedenen Siedlungen. Kurz gesagt: es geht mitunter sehr provinziell zu in Liechtenstein.
Vergangenen Sonntag komme ich von der Schweizer Seite über die Grenze in das kleine Fürstentum: Ich verlasse die Autobahn, fahre über eine Rheinbrücke und bin drinnen. Eine Kontrollstelle muss ich nicht passieren. Nur zwei Fahnen und eine kleines Schildchen bestätigen meine Grenzüberschreitung.
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Geschrieben von: Marco Di Lenarda
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Dienstag, 24. Juni 2008 um 21:21 |
Viertelfinale: Holland - Russland 1:3 (1:2, 1:1, 0:0)
Wenn man als Fußballfan auf ein Autogramm oder ein Photo von seinen Stars wartet, muss man sehr geduldig sein. Woche für Woche erfahren das viele Fans überall auf der Welt.
Mein Abend hatte in Ascona begonnen. Das Hotel hatte ich nicht gefunden, dafür stand ich nun vor dem Restaurant „7" an der Hafenpromenade und wartete. Doch auf was wartete ich eigentlich. Ein Autogramm? Sollte ich einfach „Hallo, ich bin der Marco" sagen - in dem unwahrscheinlichen Fall, dass die Herren Nationalspieler das Hotel durch den Vorderausgang verlassen würden? Was würde ich fragen? „Wie geht's? Hat das Essen geschmeckt? Schön hier in Ascona, nicht?" Alles nicht gerade besondere Einfälle. Oder sollte man die Spieler einfach in Ruhe lassen? Wenn sie schon einmal einen freien Tag haben? Andererseits, sie sind ja hier nicht im Urlaub!
Ich grübelte, wollte mich dabei gerade auf die Hafenmauer setzen, doch schon war der Polizist wieder an meiner Seite. Sitzen war heute Abend auch verboten.
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