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Der gute Zweck
Interview mit Frau K. Weber, Rektorin der "Förderschule Lernen Edisonstraße" in Köln
Geschrieben von: Marco Di Lenarda   
Dienstag, 03. Juni 2008 um 00:00
Vom Fußball über die GALA zur Bibel und zurück. Kathi Weber erklärt im persönlichen Interview warum sie gerne Rektorin ist, wie ihre Schüler auf Schiedsrichter reagieren und dass die Zugspitze ein gutes Omen für die Deutsche Nationalmannschaft war.
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DL: Liebe Frau Weber, Sie sind Rektorin einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Warum?

K. Weber: „Ja, gute Frage… Als Rektorin kann ich, zusammen mit einem guten Leiter- und Lehrerteam, meine Vorstellungen von einer guten Schule umsetzen. Deswegen bin ich Rektorin, und das sehr gerne.“

 

DL: Das heißt sie gehen und gingen gern zur Schule?

K. Weber: „Ja. Ja! Schon immer. Nur das frühe Aufstehen stört immer noch! Aber ich wollte als Schülerin schon Lehrerin sein.“

 

100_1111_2.pngDL: Erzählen Sie uns etwas über Ihre Schule. Was – außer einem sehr großen Einzugsgebiet zum Beispiel – unterscheidet die Schule von anderen Schulen?

K. Weber: „An einer Förderschule wie der Unsrigen geht es vor allem um individuelle Förderung in kleinen Schülergruppen. Man kann hier als Lehrer besser auf den einzelnen Schüler eingehen. Also, hier passiert Vieles in sehr persönlicher, fast familiärer Atmosphäre. Das ist es ja auch, was vielen Schülern und Schülerinnen fehlt: Eine geordnete Familienstruktur und die Zufriedenstellung familiärer Grundbedürfnisse.
Das versuchen wir aufzufangen: Es gibt im Ganztagesbereich ein Mittagessen für die Schüler. Außerdem wird im Unterricht mehr gesprochen als vielleicht üblich. Es wird den Kindern die Möglichkeit gegeben, zu erzählen und Dinge zu verarbeiten. Und schließlich ist auch die Kommunikation mit Eltern und Jugendamt sehr wichtig. Die Vernetzung ist da! Und das ist wichtig für die Kinder. Alle, die die Kinder betreuen und für sie sorgen, sollten an einem Strang ziehen. Das geht nur, wenn man sich abstimmt.“

 

DL: Bedeuten kleinere Klassen auch eine kleinere Schule?

K. Weber: „Ja, das ist so. Wir haben eine kleine Schule, jeder Lehrer kennt jeden Schüler. Nur so können wir der Anonymisierung vorbeugen, die unseren Kindern manchmal den Alltag schwer macht. Das heißt auch, dass es bei uns fast nur Klassenlehrer gibt, die die Kindern in praktisch allen Fachbereichen begleiten.“

 

DL: Gibt es aktuell brisante Probleme?

K. Weber: „Hm… den täglichen Streit, den es bei Schülern in diesem Alter immer gibt. Dafür haben wir ein ‚Streitschlichterprogramm’: Mediatorenteams aus den Stufen 8 und 9 versuchen, Konflikte zusammen mit den jüngeren Schüler zu lösen.“

 

100_1124.jpgDL: Kann man diese Probleme vielleicht auch mit Sport lösen? Und welche Rolle spielt der Sport überhaupt in ihrer Schule?

K. Weber: „Im Sport lernen die Kinder Vieles. Es geht da um Bewegungs- und Koordinationserfahrungen. Und was ganz, ganz wichtig ist: Die Kinder haben Spaß beim Sport. Das ist doch das Wichtigste. Da braucht man kein Pädagoge zu sein, um das zu Erkennen. Positive Erfahrungen zu sammeln, ist für alle Kinder elementar. Und über den Sport kann man dann auch an verschlossene, zurückhaltende Kinder herankommen.
Vor allem beim Fußball ist das so. Hinzu kommen soziale Kompetenzen. Im Sport müssen die Schüler und Schülerinnen miteinander spielen, Regeln lernen, diese befolgen und respektieren. Das Verrückte ist: Unsere Schüler, die zeitweise Probleme mit Autoritäten, ja sogar mit ihren Eltern haben, akzeptieren dann im Sportunterricht einen Schiedsrichter. Was dieser Schiedsrichter manchmal für eine Anerkennung erhält, ist bemerkenswert. Dessen Handeln ist für manche Kinder unanfechtbar, wie … ja wie eine Bibel.“

 

100_1137_2.jpgDL: Stellen Sie sich vor, durch unsere Aktion kommen 2000€ zusammen. Ich überreiche Ihnen einen Scheck. Was passiert dann? Gehen Sie dann in Urlaub?

K. Weber: (lacht) „Nein, nein. Da hab ich schon eine Liste gemacht. Natürlich würden wir die Schulmannschaft ausrüsten. Das ist das Erste. Und dann fehlen neben den explizit die psychomotorischen Fähigkeiten ansprechenden Sportgeräten auch die ganz normalen Sachen:

Bälle in jeglicher Farbe und Form, Springseile, Tischtennisschläger, usw.“

 

DL: Das Geld wäre also gut angelegt. Jetzt habe ich noch zwei abschließende Fragen: Als Kölner Schule haben sie doch sicher auch mit dem FC mitgefiebert. Wie haben ihre Schüler – und Sie persönlich den Aufstieg des 1. FC Köln miterlebt und wie die tolle Fussball-WM 2006?

K. Weber: „Oh ja, während der WM war hier Einiges los. Und auch beim FC haben sich viele gefreut. Aber vor allem, als die Weltmeisterschaft hier in Deutschland war, sind die Schüler mit Farben auf der Wange und voller Emotionen zur Schule gekommen. Da gab es nur noch ein Thema.“

 

DL: Und bei Ihnen persönlich?

K. Weber: (schmunzelt) „So fußallverrückt bin ich nicht. Aber den Sportteil les ich dann doch.“

 

DL: Aha. Weil…

K. Weber: „Ja, weil Fußball für Männer genau das ist, was für Frauen die GALA ist. Fußball ist ‚Klatsch’ für Männer! (lacht) Da will ich auch ein wenig Bescheid wissen!“

 

DL: Abschließende Frage: Wie weit kommt die deutsche Mannschaft bei der EM?

K. Weber: „ICH soll das jetzt sagen…??? (ist entsetzt) Also ich würde ja jetzt gerne einen Vergleich mit der Zugspitze wagen, aber mir fällt keine passende Formulierung ein. Hm, Deutschland kommt weit, sehr weit, auf jeden Fall!“

 


Fußball bewegt - Reisetagebuch zur Fußballeuropameisterschaft 2008